Bewusst gesund: Wie Körperbewusstsein zur Gesundheit beiträgt

Gesundheit und Corona

Die letzten Wochen habe ich aufgrund einer Corona-Infektion wieder spüren dürfen, wie wichtig es ist, gesund zu sein. Wenn der Körper schwach ist, wird alles andere zweitrangig. In zwei Jahren Pandemie habe ich viel zu wenig darüber gehört, was man tun kann, bewusst gesund zu bleiben. Als Körpertherapeutin mache ich mich auf Spurensuche, was uns in diesen Zeiten dabei helfen kann.

Wieder bei Kräften, schätzte ich die kleinen Dinge: Tief und ruhig durchatmen können. An der frischen Luft im Sonnenschein spazieren gehen. Meine körperliche Kraft spüren. Gespräche, Arbeit, Lachen genießen. All das trägt tatsächlich maßgeblich dazu bei, bewusst gesund zu bleiben: Atmen. Den Körper spüren. Zeit in der Natur. Soziale Kontakte.

Man sagt, im alten China wurde der Arzt bezahlt, solange man gesund blieb. Eine schöne Idee, die sich in der präventiven Medizin wiederfindet. Mit der Körperpsychotherapie habe ich einen sehr ganzheitlichen Zugang zu Gesundheit. Ich sehe es als Zustand von Wohlbefinden auf allen Ebenen, körperlich, emotional, geistig, seelisch. Ist eine Ebene aus der Balance, beeinflusst das die anderen. Was trägt also aus dieser Sicht dazu bei, gesund und vital zu bleiben?

Fünf Dinge, die du tun kannst, bewusst gesund zu bleiben

1. Den Körper als deine „Homebase“ stärken

Unser Körper sendet fortlaufend Signale, welche Grundbedürfnisse er hat – nach Ruhe, Bewegung, Nahrung, Nähe oder Rückzug. Diese feinen Impulse wahrzunehmen und ernst zu nehmen, ist eine zentrale Grundlage, bewusst gesund zu bleiben. Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegungs- und Ruhephasen, guter Mineralstoff- und Vitaminversorgung stärken unsere Basis. Wir sind stabiler und resilienter, wenn wir die Grenzen unseres Körpers respektieren und seine Bedürfnisse erfüllen. Selbstfürsorge ist daher weder egoistisch noch ‚nice to have‘, sondern gerade jetzt ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesundheitsvorsorge. Je wohler und ‚verwurzelter‘ wir uns im Körper fühlen, desto sicherer fühlen wir uns auch – unabhängig von äußeren Umständen.

Bewusst gesund bleiben durch ausgewogene Ernährung und Zeit in der Natur

 

2. Das Immunsystem ganzheitlich kräftigen

Ein starkes Immunsystem entsteht nicht nur durch achtsame Ernährung oder ausreichend Schlaf und Bewegung, sondern auch durch ein reguliertes Nervensystem. Nervensystem, Darm und Psyche sind eng verknüpft mit unserer Immunreaktion. Belastende Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut, hinderliche Glaubenssätze oder chronischer Stress können es daher schwächen. In diesem Licht sind die medialen Botschaften und isolierenden Maßnahmen kaum angetan, unsere Immunabwehr zu steigern. Wir können uns bewusst gesund halten, in dem wir der Furcht vor dem Virus oder dem Ärger über Maßnahmen mit Optimismus und Gelassenheit begegnen. Unser Immunsystem stärken wir auch, indem wir uns gegenseitig Halt geben, emotional regulieren und aufbauende soziale Kontakte pflegen.

3. Stress und Belastungen minimieren

Corona als Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen verursachen gesamtgesellschaftlich und persönlich viel Stress. Dauerstress raubt Energie und schwächt unsere Gesundheit. Dem wirken wir entgegen, wenn wir Wege finden, diesen Stress abzubauen und zu regulieren. Die Körperwahrnehmung ist hier ein guter Helfer, denn Stress drückt sich über Spannung und Einschränkung in Atmung, Muskulatur, Herzschlag und Magen/Darm aus. Bewusstes Hinspüren, sanfte Körperübungen unterstützen, zu entschleunigen und zu entspannen. Das Nervensystem braucht Pausen zur Regeneration. Ein regelmäßiger Spaziergang an der frischen Luft, Zeit in der Natur stärkt die Abwehrkräfte, senkt Blutdruck und Stresshormone. Entspannung, Achtsamkeit und genügend Schlaf beugen Stress vor und die Körperabwehr erholt sich. Wer also Autogenes Training, Yoga, Qigong, Atemtechniken oder Meditation in den Alltag einbaut, und früh ins Bett geht, tut sich sehr viel Gutes.

4. Körperliche Glückshormone ankurbeln

Wenn wir uns erlauben, angenehme Körperempfindungen wahrzunehmen und auszukosten, nähren wir aktiv unsere Gesundheit. Bewegung, Berührung und Lachen setzen Endorphine, Oxytocin und Serotonin frei – lauter Hormone, die unser Wohlbefinden stärken. Hin und wieder ein Lied trällern, tanzen, heiter lachen oder jemanden liebevoll umarmen setzt Botenstoffe für die Immunabwehr frei, die uns tatsächlich bewusst gesund halten. Wenn du weißt, was dich richtig glücklich macht, und davon viel in dein Leben einbaust, ist das ein echter Immun-Booster.

Soziale Kontakte und Berührung halten uns bewusst gesund

 

5. Bewusst gestalten, was möglich ist

Wir fühlen uns zunehmend als Opfer des Virus, der Politik, der Einschränkungen. Besser ist es, darauf zu fokussieren, was wir selbst gestalten können. Was kann ICH jetzt tun, in dieser belastenden Situation mein Leben positiv zu gestalten und für mich spürbare Veränderungen zu bewirken? Es beginnt bei meinem Körper, durch Atmung, Haltung oder innere Ausrichtung. Auch die Selbstfürsorge für mich und meinen Körper üben erhöht die Selbstwirksamkeit. Wie kann ich mir Raum und Ruhe schaffen, mich organisieren, Lebensfreude kultivieren, nährende und wohltuende Beziehungen pflegen? Dass wir Einfluss auf unser Erleben nehmen können, stärkt unsere Resilienz und das Gefühl von Sicherheit. Wir sind nicht hilflos ausgeliefert, sondern aktive Gestalter unseres Wohlbefindens.

Dem Körper und seiner Kraft vertrauen

Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, unserem Körper zu vertrauen, dass er mit Krankheit umgehen kann. Wir alle haben uns innewohnende Selbstheilungskräfte, die meisten unserer Körperzellen regenerieren sich regelmäßig neu. Wir können viel tun, um unser körperliches und emotionales Gleichgewicht zu erhalten und bewusst gesund zu bleiben und zu werden.

Die Schulmedizinische Versorgung ist ein Segen unserer Zeit, und erhöht unsere Lebensqualität und Lebenszeit enorm. Es gibt viele Krankheiten und körperliche Beschwerden, für die sie überlebensnotwendig und wichtig ist. Aber jeder Mensch ist einzigartig, und kein Arzt kennt unseren Körper so gut wie wir selbst. Daher ist es wichtig, aktiv unsere Gesundheit zu unterstützen und unseren zu Körper stärken – im Krankheitsfall genauso wie präventiv.

Während der Corona-Infektion habe ich gespürt, was es für einen Unterschied macht, mein Körperbewusstsein zu nutzen. Ich habe Körper- und Atemübungen gemacht, meine Körperwahrnehmung in Bezug auf die Symptome geschult. Ich habe gemerkt: Gesundheit ist, meinen Raum voll und ganz einzunehmen, mit meinem Körperbewusstsein präsent zu sein, meine Energie in Fluss zu spüren.

Bewusst gesund bedeutet Fülle und Lebendigkeit

 

Den Botschaften körperlicher Symptome lauschen

Corona, so meine Erfahrung, hängt sich gerne in die eigenen Schwachstellen, und die sind selten nur körperlich. Egal ob man so wie ich zu Bronchitis neigt, oder zu Kopfschmerz, Sinusitis oder Rückenschmerzen, Schwindel oder Herzbeschwerden, Erschöpfung oder Hautreaktionen, hinter jedem Symptom können Themen stecken. Diesen Zusammenhang nennt man psychosomatisch. Mehr dazu liest du unter ‚psychosomatische Beschwerden‘.

Natürlich gibt es gerade bei Corona viele unterschiedliche Faktoren, die die Art und Schwere der Symptome beeinflussen. Wenn Beschwerden in bestimmten Bereichen allerdings immer wiederkommen oder besonders lange vorhalten, dann kann es sein, dass dein Körper dich einlädt, genauer hinzuspüren, worum es geht und was Veränderung braucht.

Woran erinnert mich das Symptom, welche Bedürfnisse und Wünsche macht es sichtbar? Was zeigt mir das Symptom, was ich vielleicht nicht wahrhaben will? Welche Gefühle tauchen auf, wenn ich wirklich Aufmerksamkeit hingebe? Welche Glaubenssätze oder immer wieder kehrende Gedanken aktiviert das Symptom? Woran hindert mich dich das Symptom und was ermöglicht es mir? Welche Teile von mir leiden? Welche inneren Konflikte gibt es, die den Frieden in meinem Körper stören?

Ich habe mich in meiner Corona-Erkrankungen intensiv mit einigen Themen hinter immer wiederkehrenden Symptomen auseinandergesetzt und durfte alten Belastungen auf die Spur kommen. Jetzt fühle mich ‚runderneuert‘. Ich bin dankbar, dass ich wieder einiges fühlen, begreifen und loslassen durfte. Und ich bin vor allem meinem Körper unendlich dankbar, dass er so weise und geduldig ist.

Bewusst gesund bedeutet auch, Krankheit zu akzeptieren

Oft aktivieren Krankheiten und Symptome Widerstand in uns, wir wollen keine Schmerzen spüren, nicht schwach sein. Wir wollen die Symptome weghaben. Wir lenken uns ab, gehen vom Körperempfinden weg. Meine Erfahrung ist, je eher wir uns Symptomen zuwenden, unseren Zustand akzeptieren, desto rascher passiert Lösung, und Veränderung. Wenn wir uns selbst in Schmerz und Unvollkommenheit annehmen uns das Spüren erlauben, unterstützen wir die Regeneration. Wenn ein Kind krank ist, werden wir es liebevoll halten und streicheln, warum also nicht uns selbst? Und wie ein Kind nach einer Krankheit oft wichtige Entwicklungsschritte macht, so kann auch unser bewusstes Durchgehen durch unangenehme körperliche Empfindungen viel verändern.

Wenn dir dein Körper etwas aufzeigt, bietet er dir auch eine Entwicklungschance. Vielleicht möchtest du das nächste Mal, wenn etwas schmerzt oder wund ist, liebevoll deine Hände auf die betroffene Stelle legen, mit deiner Wahrnehmung dort verweilen, ohne Absicht horchen, was sie dir sagen möchte. Mehr über diesen liebevollen Zugang zum eigenen Körper liest du unter Körperwahrnehmung stärken: Nachrichten vom besten Freund.

Gesundheit ist Ganzheit. Das Unangenehme, Schmerzende, Blockierte, es gehört genauso zu uns. Einmal im Spür-Bewusstsein angekommen, kann sich seine Erkenntnis wie ein Geschenk entfalten. Es darf wieder in Fluss kommen, inneren Frieden finden. Wir sind nicht allmächtig, und oft fühlen wir uns einer Krankheit oder Beschwerden ausgeliefert. Aber wir können eigenmächtig sein, wenn wir die Krankheit nicht mehr als lästige Einschränkung oder bedrohliches Übel sehen, sondern als Lehrerin am Weg, bewusst gesund zu sein – in Fülle und Lebendigkeit.

Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist,
habe ich beschlossen,
glücklich zu sein.

Voltaire

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