Ich bin Teil der Natur. Gerade jetzt kann ich das gut spüren, ruhig unter einem schattigen Baum liegend. Ein Schmetterling umtanzt mich und lässt sich auf mir nieder. Ich sehe flinken Meisen zu, die ihre Jungen füttern. Es zwitschert und summt und rauscht um mich. Ich spüre dankbar, wie jede Zelle loslässt und ich ein Stückchen tiefer in die Erde sinke.
Kennst du dieses Gefühl? Tiefer sinken, loslassen, Teil sein. Nirgendwo sonst ist es besser spürbar als in der Natur. Wind und Sonne auf der Haut spüren, die Gerüche von Moos oder Pilzen im Wald, das Rauschen der Blätter hören. Mein Körper liebt es, die Natur wahrzunehmen, und die Erde ganz besonders.
Die Natur, die Erde, ist unser großer Körper, den wir Menschen bewohnen. Ich glaube, unsere Zellen haben eine natürliche Sehnsucht danach, uns damit zu verbinden. Die Natur ist die pure Sinnes-Erfahrung. Sie ist reine Präsenz. Sie lädt uns ein, ganz im Körper und im Hier und Jetzt anzukommen.
Zeit in der Natur ist pure Sinneserfahrung
Das können wir jetzt, im lang ersehnten Sommer, gut spüren. Er empfängt ins mit einer Symphonie von Farben und Düften, kühlt mit dem Wind die erhitzten Gesichter. Die goldene Wärme der Sonne entspannt unseren Körper. Unser Kopf darf lernen, es ihm gleichzutun. Moospolster und Grashalme laden ein, ihn darauf zu betten und loszulassen, auszuruhen, durchzuatmen.
Ich verbinde mich mit mir. Meine Füße werden selbstverständlich Teil der Erde, die mich trägt. Mein Körper führt mich ganz intuitiv auf schattige Waldwege und an plätschernde Bäche.
Die Vielfalt der Natur zeigt uns Plätze, die das Wunder unseres Körpers spiegeln. Der tief verwurzelte Baum schenkt Halt und Ruhe. Er lässt uns Erdung und Verbundenheit spüren. Das Blut in den Adern, der Atemfluss, sie sind wie sprudelnde Quellen, die uns erfrischen und inspirieren. Der frische Wind lädt sanft zur Bewegung ein. Jede Knospe, jedes junge Grün erinnert unsere Zellen an ihre ständige Erneuerung.
Die sommerliche Fülle spüren ist heilsam
Es berührt mich, wie bedingungslos die Natur im Sommer ihre Fülle verschenkt. Die Blütenpracht verwöhnt das Auge ohne Angst zu verblühen. Die Sonne wärmt und streichelt hingebungsvoll die Haut. Die Früchte und Kräuter aus Feld und Wald verschenken sich am Wegrand. Trotz Hitze und Gelsen, keine Zeit des Jahres liebt mein Körper mehr. Er öffnet jede Pore, geflutet von Lebendigkeit. Ich schmelze hingebungs- und vertrauensvoll in die Wärme.
Da ist kein Platz für Mangeldenken oder Angst. Der Sommer ist die Zeit des Kindes, der Unschuld, des Spiels, der Kraft, des Eros, der Sinnlichkeit. Der Sommer verbindet mit meinem ursprünglichen und sehr körperlichen Sein. Alles in mir beginnt zu fließen. Ich spüre das satte Leben. Ich höre auf, zurückzuhalten und erlaube mir Hingabe, Öffnung, Loslassen.
Die Natur hat alle Qualitäten einer guten Mutter. Sie ist immer da, begleitet liebevoll das Wachstum ihrer Schützlinge. Sie trägt und nährt uns, und lässt doch alles frei, das zu ihr gehört. Wenn du gerade jetzt, mitten in dieser Fülle, trotzdem noch das Gefühl des Mangels spürst, dann kann es sein, dass die Gründe dafür tief liegen. Dann empfehle ich dir, ‚vom Mangel zur Fülle – das Gefühl, genug zu sein‚ zu lesen.
Der Herzschlag der Erde hilft, deinen Rhythmus zu finden
Ich lehne meinen Körper dankbar an den Stamm eines Baumes, lausche dem Pulsieren meines und seines Herzschlags. Ich atme ihn tief ein, den Sommer, der nach trockenem Gras und duftigen Blüten schmeckt. Der sanfte Wind am offenen Feld lockt meine Sehnsucht. Das Vibrieren der warmen Luft lädt meinen Körper ein, seinen eigenen Rhythmus zu finden.
Was in mir möchte sich jetzt ausdrücken und bewegen? Welches Tempo ist meines, welcher Ausdruck entspricht mir gerade? Ich tanze mit dem Wind, klettere mit dem Eichhörnchen, schwirre mit der Libelle. Die Füße auf der Erde, finde ich mein Zentrum in mir. Ich lasse los, lasse mich vom Licht der Sonne emporheben. Ich schmelze hinein, Sonnenstrahlen, Glühwürmchen, Sternschnuppen.
Mitten im Sommer kann man ihn spüren, den Herzschlag von Mutter Erde. Aus ihr kommen wir, sie nährt und trägt uns, zu ihr kehren wir am Ende zurück. Wenn ich mich so verbinde mir ihr, dann wird es ruhig in mir. Ich spüre Vertrauen in den Rhythmus des Lebens. Denn über die Verbindung mit der Natur und ihrem selbstverständlichen Sein spüre ich mich selbst besser. Zugleich bin ich Teil von ihr, und vieles verliert an Wichtigkeit. Ich komme im Hier und Jetzt des gegenwärtigen Moments an.
Und das macht mich demütig und dankbar. Die Fülle der Natur ist unser Ursprung. Sie schenkt uns ein Paradies. Jeder Moment, in dem ich mich davon abtrenne, mich darüber erhebe, ist verschenkte Lebenszeit. Wir Menschen bringen so viel Unordnung und Ungleichgewicht in den Kreislauf der Natur, entfernen uns von ihr, stören ihre Abläufe. Ist uns bewusst was wir uns damit antun?
Ich lade dich ein: Lass‘ dich diesen Sommer von den Flügel der Natur umarmen. Lass deinen Körper das Leben feiern, im tiefen Wissen intensiver Lebendigkeit. Lass‘ dich spüren, dass du Teil bist dieses vollkommenen und einzigartigen Wachstums. Lass dich spüren, dass die Erde dich heilt. Lausche ihren Geschichten, fühle ihre Kraft in dir.
In der Natur gibt sich dein Körper dem Leben hin. In der Natur lebt sich das Leben selbst. Es fühlt sich satt und ganz an, dieses Leben. Du spürst es, tief in deinen Zellen: Ich bin lebendig. Alles ist Fülle. Es genügt zu sein.
…and into the forest I go
to loose my mind
and find my soul…
unbekannt