Biodynamische Körperarbeit &
Persönlichkeitsentwicklung
in der Natur

Leben.Spüren – Lebendig.Sein

Ich bin Erde

Baum_Erde

Wann bist du das letzte Mal mit bloßen Füßen über eine Wiese gelaufen? Hast am Boden gestampft, deine Füße und dein Becken gut gespürt? Eine gute Erdung ist die Basis, das Fundament unseres Hauses ‚Körper‘. Wenn wir sicher und stabil stehen, im Becken ruhend, die Füße am Boden, wirft uns so leicht nichts um.

Ist dir schon aufgefallen, dass die Worte ‚Humus‘ und ‚human‘ dieselbe Wurzel haben? Wir Menschen sind mit der Erde als Ursprung alles Menschlichen tief verbunden. Unser ‚kopfbetonter‘ Alltag des schnellen und vielen Tuns und Denkens lässt uns das nur leider allzu leicht vergessen.

Als ich zum ersten Mal in einem afrikanischen Land war, hat mich der wiegende, tief im Becken ruhende Gang der Frauen sehr beeindruckt. Als ich länger blieb, begann ich selbst so zu gehen. Heute ist mir bewusst, ich war dort auf sehr einfache und selbstverständliche Art mit meiner Erd-Qualität verbunden.

Gelassen die Wellen reiten

Gut geerdet, das heißt im Hier und Jetzt sein, statt mit den Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit zu hängen. In dieser Qualität von Erdung bin ich ganz da, bei mir, präsent. Wenn ich mich so im Augenblicke erlebe, verlieren Gedanken und Gefühle auf wohltuende Art ihre Wichtigkeit. In dieser Haltung breitet sich innere Ruhe aus, Gelassenheit, Klarheit. Dann bin ich wirklich bei mir, habe alle Zeit der Welt, und Anspannung, Druck und Stress verlieren an Macht.

Ich spüre mich mit beiden Beinen am Boden, klar, einfach, verbunden. Nicht mehr und nicht weniger. Festigkeit. Substanz. Schwere. Selbstverständlichkeit. Sein. Das alles sind Qualitäten der Erde.

Erdung ist dabei nichts Statisches, sondern auch die Fähigkeit, mitten in der Bewegung des Lebens gut verankert zu sein. Es fällt manchmal leichter, dieses geerdet und zentriert sein in der Ruhe zu spüren, aber wenn wir gut in uns ruhen, dann nehmen wir diese Ruhe auch in jede Bewegung mit. Beim letzten Spür-Reise-Abend hat es eine Teilnehmerin mit einem wunderbaren Bild beschrieben: ‚Es ist wie wenn man auf einem Surfbrett steht, ganz ruhig und zentriert, in mir, und ich bewege mich mit dem Fluss der Wellen mit.‘

Den Wurzeln vertrauen

Den Boden spüren, der uns trägt, gibt Sicherheit und Kraft. Wie Bäume Wurzeln haben, die sie in der Erde verankern, aus denen sie ihre Nährstoffe beziehen, so verankert und nährt uns Menschen das, was uns trägt, worauf wir uns verlassen können. Selbst wenn alle vertrauten, nährenden und Halt gebenden Erfahrungen wegbrechen, so trägt uns immer noch die Erde, auf der wir gehen. Uns das bewusst zu machen, über den körperlichen Kontakt mit der Erde spürbar, kann viel dazu beitragen, uns innerlich angebunden, genährt und gehalten zu fühlen.

Die einfachste Übung ist, im Liegen den Boden unter uns zu spüren, mit jedem Atemzug ein Stück mehr Gewicht abgeben, tiefer hineinsinken, spüren, wie die Muskulatur nach und nach loslässt. Eine wunderbare Möglichkeit, Hingabe und Vertrauen zu üben.

Diese Ur-Erfahrung des Getragen- und Gehalten-Seins machen wir in der Gebärmutter, wo wir als Embryo geborgen die ersten neun Monate verbringen. Dort darf sich unser Grundvertrauen bilden. Gerade für Menschen mit frühen Traumatisierungen ist diese Hingabe meist nicht einfach. Darf ich dem Boden vertrauen, der mich trägt, oder habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Terrain unsicher ist, ich mich selbst halten muss? Der Kontakt mit der Erde, mit der Festigkeit des Bodens, kann da sehr heilsam sein.

Aus der Kraft der Mitte verbunden

Erdung verleiht auch deshalb Stärke und Stabilität, weil ich mich dabei in meiner ganzen Aufrichtung und Ausbreitung erlebe. Während ich meine Aufrichtung aus dem Becken spüre, aus der Ruhe meiner Mitte Kraft schöpfe, bekomme ich eine Wahrnehmung von dem, was mich ausmacht, meinem räumlichen Körpersein. Ich werde mir im wahrsten Sinne meiner Selbst bewusst.

Gute Erdung erlebe ich als ein tiefes Eintauchen in diesen, meinen inneren, Raum. Das heißt auch, ich spüre meine Grenzen gut, und zugleich spüre ich wie sie sich auflösen, weil Grenzen keine Rolle mehr spielen, wenn ich selbstverständlich in mir verankert bin. Mein innerer Raum dehnt sich in die Unendlichkeit aus. Zugleich spüre ich meine Fußsohlen am Boden, mein Becken, meine Aufrichtung, meine klare Form. Ich liebe diese Selbstverständlichkeit, da zu sein.

Ich fühle in dieser Haltung immer große Dankbarkeit für mein Leben, fühle mich sehr verbunden mit allem um mich. In der Qualität der Erdung erlebe ich auf heilsame Weise beides: Mein eigenes körperliches Dasein, mich selbst in meiner Mitte, als Zentrum meiner Welt, und zugleich das Getragen werden und Angebunden sein an etwas Größeres, die Erde, den Kosmos, das Wunder des Lebens.

Nimm dir öfter Zeit, dich so zu spüren wie einen Baum: Aufgerichtet, selbstverständlich, tief verwurzelt und genährt. Dann kann aus deiner Verbindung mit der Erde neuer Humus für dein Leben werden.

Be like a tree.
Stay grounded.
Connect with your roots.
Turn over a new leaf.
Bend before your break.
Enjoy your unique natural beauty.
Keep growing.

Joanne Raptis

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